Rezepte, Tipps und Tricks rund um den Öpfelchasper und unseren Bio-Lieferanten


18.10.2023

Desertus Bikus - quer durch die Wüste

Wir bekennen uns: Der Öpfelchasper bietet Platz für den einen oder die andere Veloliebhaber*in. Manche Chaspers trainieren in ihrer Freizeit, damit dein Korb in Windeseile bei dir zu Hause ist. Andere nutzen die wöchentliche Lasten-Ausfahrt als Vorbereitung für eine grössere Herausforderung...

 

Unser Berner Standortleiter Mathias hat sich vergangenen Frühlings einer solchen velonischen Herausforderung gestellt und beim Desertus Bikus mitgemacht. Hier erfährst du im Interview, wieso und wie er einmal quer durch die Wüsten Spaniens gestrampelt ist.

Faktencheck:

1474 Kilometer

17‘330 Höhenmeter

7 Tage und 11 Stunden 

4 Checkpoints

Beim Desertus Bikus handelt es sich um eine Fahrrad-Rally (Bike Packing Race). In maximal acht Tagen soll die Strecke von der Biskaya bis zur Costa Del Sol abgeradelt werden und Spanien somit einmal durchquert werden. Die Route zwischen den verschiedenen Checkpoints darf man sich selber aussuchen. Denn jeder und jede Velofahrer*in hat seine eigenen Stärken und der Wind kann schnell umschlagen. So ist das Rennen eine sehr autonome Challenge. Wie viel man packt, wo man schläft und fährt, wählt man individuell.

Wo hast du richtig gut geschlafen? Wo konntest du nicht schlafen?

"So richtig gut geschlafen habe ich nach dem ersten Tag im Sattel. Das Rennen startete um Mitternacht und 230 Velofahrer:innen machten sich unter strömendem Regen auf den Weg über die Pyrenäen. Die Motivation war hoch und so radelte ich, ohne zu schlafen, über 300 Kilometer am ersten Tag. Kurz nach Sonnenuntergang stellt ich mein Biwak auf und schlief, erschöpft wie ich war, sofort ein. Der Wecker klingelte aber schon morgens um 4 Uhr."

 

Schlaf und Erholung ist einer der wichtigsten Punkte in Sachen Energiehaushalt. Wir kennen sie alle, die richtigen „Gümmeler“, die am liebsten 24 h am Stück im Sattel sitzen und Kilometer für Kilometer abrollen. Auch auf dem Desertus Bikus können sich Stunden und Strecken plötzlich ziehen. Doch anstelle von Verbissenheit lohnen sich oftmals ein paar Stunden Schlaf.

An welchem Tag musstest du so richtig beissen?

"Der dritte Tag war der Schwierigste. Ich fuhr den ganzen Tag mit starkem Gegenwind. Während des ganzen Tages habe ich nur zwei oder drei andere Fahrer:innen gesehen. Der Kopf hat mir gesagt: Es ist schon Tag drei und du hast noch nicht die Hälfte geschafft, das wird nicht reichen. Und dann begann noch mein Knie zu schmerzen. Ich war kurz vor der Kapitulation. Ich checkte in einem Hotel ein, duschte, ging in ein Restaurant, traf auf ein paar Mitstreiter:innen und wir assen viel, mindestens zwei Hauptgerichte pro Person. Am Schluss humpelten alle aus dem Restaurant und fielen ins Bett. Am nächsten Morgen stellte ich meinen Sattel neu ein und die Knieschmerzen waren dahin."

Apropos beissen, wovon ernährt man sich mitten in der Wüste?

"Alles, was man in die Hände kriegt. Spanien ist in weiten Teilen sehr dünn besiedelt. So habe ich mich auf weiten Strecken oft nur in Tankstellen-Shops verpflegt. Dort kaufe ich neben genügend Wasser: Snickers, Nüsse, Bananen und Äpfel, Chips und Coca-Cola. Und im Zweifelsfall noch ein Snickers mehr. Hauptsache viele Kalorien. Denn pro Tag bin ich mindestens zwölf Stunden gestrampelt. Ansonsten habe ich unzählige Bocadillos gegessen, das sind riesige Baguettes, belegt mit Käse, auf Wunsch auch mit Ei. "

 

Der Untergrund, welcher in Südwest Europa auf die Teilnehmende wartet, ist sehr divers. Einige der Checkpoints befinden sich sogar mitten in der Wüste. Yvan Thuayre, Organisator des Rennens, empfiehlt daher ein Gravelbike, mit entsprechenden Reifen für eine Mischung aus Straße und Pisten.

Wie gehts es denn deinem Drahtesel nach dem Rennen?

"Meinem Cinelli Gravelbike ging es nach dem Rennen gut. Wir haben einiges zusammen durchgestanden. Neben drei platten Reifen lief alles super."

Und wie geht es dir?

"Die letzten 50 Kilometer waren reines Glücksgefühl. Ich war stolz auf mich und gleichzeitig total erschöpft. Nach einem Bier und einem feinen Essen im Ziel, viel ich ins Bett im Hotelzimmer und habe geschlafen. Lange geschlafen. Am Mittelmeer habe ich mich dann ein paar Tage lang erholt. Am dritten Tag nach Zielankunft habe ich sogar schon wieder eine kleine Runde auf dem Fahrrad gedreht. Aber die Beine haben sich noch nicht wieder frisch angefühlt. "

Also gleich nochmal oder auf zur nächsten Herausforderung?

"Das Desertus Bikus war mein erstes Ultracycling Event. Und ich muss sagen: Es hat mich erwischt. Bei mir stehen schon einige Rennen auf der Liste, die ich gerne einmal fahren möchte. Es ist ein schönes Gefühl, ein so grosses Land wie Spanien in nur einer Woche zu durchqueren. Jeden Tag wird man mit so vielen wunderschönen Landschaften belohnt. Für das Desertus Bikus 2024 habe ich mich bereits wieder eingeschrieben. Das Ziel liegt im nächsten Jahr in Portugal, darauf freue ich mich."

 

Das diesjährige Desertus Bikus, das im April stattgefunden hat, war die zweite Ausgabe des Rennens. Es wurde von Yvan Thuayre ins Leben gerufen und ist “eine Hommage an die ersten Abenteurer der Rallye Paris-Dakar in den 80er Jahren", so der Gründer.

Yvan erzählt: „Einige schreiben sich ein, um zu messen und die Strecke in weniger als drei Tagen zu meistern, andere haben gemässigtere Ambitionen und geniessen neben der physisch und mentalen Herausforderung auch die festliche und gesellige Atmosphäre.“

In diesem Sinne wird auch im April 2024 wieder geschwitzt, gelacht und vor allem durch Stein, Sand und Sonne geradelt

copyright: 26.07.2023, 07:00 Uhr

https://bike-cafe.fr/2022/01/desertus-bikus-la-nouvelle-course-dendurance-a-la-decouverte-de-lespagne/

https://desertusbikus.com/en/

https://www.radsport-news.com/freizeit/freizeitnews_132154.htm

Interview: Mathias Gottet (Standortleitung Öpfelchasper Bern)


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